Hüftdysplasie


Hüftdysplasie

Die Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke sollte nach Geburt oder spätestens bei der U3 im Säuglingsalter erfolgen.

Was bedeutet Hüftdysplasie?

Synonym: Hüftreifungsverzögerung

Mit Hüftdysplasie bezeichnet man die verzögerte oder fehlerhafte Ausreifung des Hüftgelenkes. Dieses kann vererbt (genetisch bedingt) oder z.B. durch die Lage in der Gebärmutter verursacht sein. Sie kann vermehrt bei Kindern mit Beckenendlage auftreten, da sich in dieser eingeengten Lage die Hüftgelenke nicht optimal ausreifen bzw. entwickeln können.

Als Standarduntersuchung zur Diagnostik dient, neben der klinischen Untersuchung, die Sonographie/Ultraschall der Hüftgelenke. Dieses ist eine sehr sensitive und nicht invasive (also nicht schmerzhafte) Möglichkeit, das Hüftgelenk darzustellen. Diese Ultraschalluntersuchung ist Standard spätestens beim Screening der U3-Untersuchung zwischen der 4. und 6. Lebenswoche. Bei Verdacht auf eine Hüftdysplasie sollte duese schon frühzeitiger erfolgen.

Warum ist da so?

Je früher eine Hüftdysplasie diagnostiziert wird, je eher kann sie behandelt werden. Gerade in den ersten Lebenswochen ist das Hüftgelenk sehr plastisch (formbar) und die Behandlung zeigt meist schnelle Erfolge. Nur in Ausnahmefällen, bei sehr ausgeprägtem Befund, kann die Behandlung langfristiger und/oder komplizierter werden.

Es gibt eine Einteilung der verschiedenen Stadien/Schweregrade (nach Graf) der Hüftdysplasie. Eine Ia oder Ib-Hüfte muss nicht behandelt werden, in den Stadien II-IV muss individuell entschieden werden, welche Behandlung für Ihr Kind am sinnvollsten ist. Der Verlauf wird dann mit weiteren Ultraschalluntersuchungen kontrolliert. Der Abstand der Kontrollen hängt von der jeweiligen Behandlung und dem Schweregrad der Dysplasie ab.

Welche Behandlungsformen gibt es?

Bei sehr milder Hüftdysplasie reicht oftmals ein breites Winkeln aus. In Einzelfällen kann auch eine spontane Nachreifung (also keine Therapie) abgewartet werden. Bei mittelgradiger Hüftdysplasie sollte mit einer Spreizhose behandelt werden. Hier gibt es verschiedene Modelle, unseres Erachtens ist die Behandlung oder die Handhabung mit der Tübinger-Abspreizschiene am einfachsten.

Bei schwerer Hüftdysplasie sollte mit einer sogenannten Pavlik-Bandage behandelt werden.

Kind mit Tübinger Schiene

Kind mit Pavlik Bandage

Die Tübinger-Schiene und die Pavlik-Bandage halten das Hüftgelenk in abgespreizter und hüftgebeugter Stellung. Dieses ist die Stellung, in der das Hüftgelenk am besten Nachreifen kann. Dieses tut dem Kind nicht weh. Die Tübinger-Schiene kann zum Baden und Winkeln abgenommen werden, die Pavlik-Bandage sollte nicht abgenommen werden, hier ist die konstante Stellung in Hüftbeugung und Abspreizung wichtig.

Als Vergleich dient der Hinweis auf eine lose, herausnehmbare Zahnspange gegenüber der festen, auf die Zähne aufgebrachten Zahnspange abhängig von der Schwere der Zahnfehlstellung.

In extremen Fällen, falls das Hüftgelenk luxiert also ausgekugelt ist oder trotz Therapie luxiert bleibt, das heißt, der Hüftkopf befindet sich nicht im Hüftgelenk, muss ein Einrenken des Hüftkopfes in das Gelenk erfolgen. Dieses bedeutet einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus. Hier findet zunächst ein mehrtägiges Dehnen der hüftumgebenden Weichteilstrukturen statt, bevor das geschlossene (also ohne Operation) Einrenken (Reposition) in Narkose erfolgt. Um das eingerenkte Gelenk stabil zu fixieren, bekommt das Kind einen beckenübergreifenden Gips in Hüftbeugung und Hüftabspreizung (Fettweisgips oder Sitzhockgips).  In diesem Gips kann sich die durch die Luxation ausgedehnte Hüftgelenkskapsel stabilisieren bzw. zusammenziehen und die Hüftpfanne kann nachreifen. Um das Ergebnis nach dem Einrenken zu kontrollieren, wird nach der Reposition im angelegten Gips ein MRT (Magnetresonanztomographie) durchgeführt. Der Gips tut den Kindern nicht weh, er ist im Hüftbereich eng angelegt, ansonsten besteht die Gefahr, dass das Gelenk erneut luxiert.

In sehr seltenen Fällen gelingt das geschlossene Einrenken des Hüftgelenkes in Narkose nicht. Hier ist dann eine Operation (offene Reposition) notwendig. Auch nach der Operation ist zur Stabilisierung des Hüftgelenkes ein Fettweisgips notwendig. Auch hiernach wird zur Bestätigung der erfolgreichen Reposition ein MRT im Gips durchgeführt. Die Dauer der Gipstherapie richtet sich nach der Schwere der Dysplasie.

Wie lange muss behandelt werden?

Die Behandlung der Hüftdysplasie muss solange erfolgen, bis ein ausgereiftes Hüftgelenk besteht, welches gleich zu setzen ist mit einer Ia-Hüfte im Ultraschall.

Röntgenkontrolle:

Bei allen Kindern, bei denen im Säuglingsalter eine Hüftdysplasie behandelt wurde, sollte mit ca. 2 Jahren als Routinekontrolle eine Röntgen-Beckenübersichtaufnahme erfolgen. Dieses dient der Verlaufskontrolle, denn eine im Säuglingsalter erfolgreich behandelte Hüftdysplasie kann in seltenen Fällen im weiteren Wachstum wieder dysplastisch werden.  Dieses hängt z.B. von endogenen (inneren) Faktoren ab und zeigt sich in der klinischen Untersuchung nicht an irgendwelchen Auffälligkeiten außer bei einer erneut luxierten Hüfte. Hier würden aufgrund der Luxation eine Beinlängendifferenz und ein auffälliges Gangbild bestehen.

Hüftdysplasie beim Kleinkind:

Bei Verdacht auf eine Hüftdysplasie ist die Röntgenbeckenübersichtsaufnahme zunächst die Standarddiagnostik. An diesem Röntgenbild kann der Überdachungsgrad (AC-winkel, Pfannendachwinkel, CE-Winkel) der Hüftpfanne gemessen und die Formgebung der Hüftköpfe kann beurteilt werden. Besteht eine Hüftdysplasie beim Kleinkind muss, wie bei der Ultraschalluntersuchung beim Säugling, vom Schweregrad abhängig entschieden werden, welche Konsequenzen daraus resultieren.

Ähnlich wie beim Säugling kann man zwischen einer milden und einer schweren Hüftdysplasie unterscheiden, das heißt es muss anhand des Röntgenbildes und Alters des Kindes entschieden werden, ob abgewartet werden kann oder eventuell ein operativer Eingriff zur Verbesserung der Überdachung des Hüftkopfes notwendig ist. Besteht eine anhaltend schwere Hüftdysplasie sollte diese noch vor Schulpflichtigkeit operativ behoben werden.

Bilder einer Hüftdysplasie – OP

Warum Operation bei Hüftdysplasie?

Langfristig gilt es, einer frühzeitigen Entstehung einer Hüftgelenksarthrose (Hüftgelenksverschleiß) vorzubeugen, daher sollte, wenn eine Operation indiziert ist, diese rechtzeitig (s.o.) durchgeführt werden. Im Kleinkindalter ist das Hüftgelenk noch plastischer/formbarer, im verbleibenden Restwachstum können sich dann Hüftkopf und Hüftpfanne an die Korrektur gut anpassen. Umso später ein korrigierender Eingriff durchgeführt wird, umso aufwändiger ist die Operation und Rehabilitation und es kann keine Korrektur durch das Wachstum ausgenutzt werden.